Die Santander Bank als Innovator der Finanzwelt?

Was mir beim Web Summit besonders ins Auge gestochen ist? Die Santander Bank, die mehrere Auftritte auf der Bühne des Money Summit hatte und auch mit einem eigenen Stand vertreten war. Allem Anschein nach nehmen die Spanier es mit den Technologie-Innovationen ernst.

„To better serve your customers, you need to truly understand their needs“ – so Julio Faura, Head of Innovation bei Santander Innoventures auf der Bühne des Web Summits. Wie genau das realisiert werden soll, bleibt unklar. Die Investitionen sind aber hoch.

Gerade hat die Santander Bank verkündet, eine Blockchain-Challenge auszurichten. Das Ziel: FinTechs aus diesem Bereich in frühen Phasen zu identifizieren. Partner ist die Start-up-Agentur OneVest, das Geld kommt aus dem 100 Millionen Dollar starken Fördertopf Santander Innoventures. Die Spanier beherrschen den großen Auftritt und wurden auf dem Web Summit nicht müde, sich als Innovator zu positionieren. Anders die deutsche Konkurrenz, die sehr viel leiser daher kam. Die Standardantwort auf meine Standardfrage „Wie läuft es auf dem Web Summit mit den Investoren?“ lautete: „Wir treffen uns noch mit der Commerzbank“. Auf den ersten Blick fast unsichtbar, war die Commerzbank im Hintergrund alles andere als untätig.

Investitionen: ja – sichtbare Veränderungen: nein

Zurück zur Santander und der Frage, wie innovativ das Unternehmen sich sonst in der Öffentlichkeit präsentiert. Wirft man einen Blick auf die deutsche Website, ist hier noch wenig von echter Online-Ansprache zu sehen. Ansätze, den Kunden online zu engagen? Ich stoße auf eine altertümlich anmutende Website, die mit Customer Centricity wenig zu tun hat. Für das Online-Banking wird z.B. ausschließlich mit Sicherheit (im Gewand von TAN-Verfahren) geworben. Engagement oder Convenience? Fehlanzeige. Eine emotionale Kundenansprache? Nein. Einen Beweis, dass es die Santander mit dem True Customer-Centric Banking auch wirklich ernst meint, finde ich hier nicht.

Ob Investitionen in die Blockchain für ein besseres Kundenerlebnis sorgen? Max Keiser, eine Art Rebell der Banking-Szene und Herausgeber des Keiser Reports, bezweifelt das: „Blockchain is cheaper for banks and they will keep that saved money“. Wir werden sehen, was am Ende im Sinne des Kunden herausspringt. Denn es geht auch um transparente und faire Preise, nicht nur um bunte Apps aus dem kreativen FinTech-Lager.

Facebook of anything financial in der Pipeline

Die Investitionen von Santander in FinTech muten in jedem Fall vergleichsweise radikal an. Sie trauen sich auch an Projekte, die den klassischen (Filial-)Bankansatz torpedieren. Sie gehen einen Schritt weiter als viele andere. Trotzdem klingt die Aussage, das Facebook of anything financial schaffen zu wollen, nach ganz schön großen Schuhen. Auch wenn sie dabei von Meniga unterstützt werden – bei uns bislang nur als Zulieferer von Personal-Finance-Management-Lösungen bekannt. Was dieses ominöse Finanz-Facebook genau sein soll? Darauf gibt es aktuell noch keine Antwort. Aber ambitioniert zu sein ist ja ein guter Anfang. Hoffentlich folgt nach dem großen Tamtam dann aber auch der große Wurf.

Klingt irgendwie ganz nett…

Die Santander Bank hat beim Web Summit für viel (innovativen) Wind gesorgt und sich Folgendes auf die Fahne geschrieben:

  • Helping people and business prosper
  • Built around the relationship with customers – the life of the customer
  • A3: anytime, anyhow, anywhere
  • Open collaborative space: banks + FinTechs
  • Simple, personal and fair

Klingt irgendwie ganz nett. Wie diese ehernen Ziele erreicht werden sollen, blieb allerdings weitgehend im Dunkeln. Ich glaube, die Kooperation mit FinTechs ist ein kluger Weg; das alleine wird unter dem Strich aber nicht ausreichen, um die eigene Innovationskraft zu stärken. Interessant wäre es gewesen, wenn Victor Matarranz, Senior Executive VP & Head of Group Strategy der Santander, etwas dazu gesagt hätte, wie er diese radikal neue Denke – also den Philosophie-Shift – im eigenen Unternehmen platzieren wird. Innovation beginnt in den eigenen vier Wänden, die Mitarbeiter müssen gemeinsam an dem neuen Strang ziehen. Und solche mentalen Umwälzungen sind bekanntermaßen schwierig. Es wird sich zeigen, ob die Veränderungen wirklich so groß sein werden, wie das Facebook of anything financial hoffen lässt. Oder es ist am Ende dann doch nur ganz nett…

 

Bildquelle: Shutterstock

Ein Gedanke zu “Die Santander Bank als Innovator der Finanzwelt?”

  1. Sebastian S.

    Da gibt es doch noch ganz andere die jetzt versuchen auf den Zug zu springen.
    Die Bankenrettung war vielleicht nur eine Rettung vor dem Web 2.0?
    Karstadt und andere Einzelhändler wurde nicht durch riesige Bürgschaften am Leben erhalten etc.
    Wer braucht heute noch eine Filiale – viele Angestellte und teure Büroräume in den besten Lagen. Meine Bank nicht, da sie sonst die Kosten auf die Kunden umlegen muss. Welcome to a new banking world.

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