Nachhaltigkeit muss mehr sein als nur „grün“

Der Bankenverband stellte kürzlich sein Impulspapier „Nachhaltigkeitsmanagement“ vor, in dem sich die privaten Banken zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung bekennen. Ein richtiges Signal – der Prozess steht allerdings noch am Anfang.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken brachte es bei der Präsentation des Impulspapiers in Berlin auf eine einfache Formel:

„Jedes Unternehmen muss schon aus Eigeninteresse an die Zukunft denken und in die Zukunft investieren. Nachhaltiges Handeln ist daher kein Feigenblatt, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Das gilt auch für Banken“.

Das in einem Arbeitskreis erarbeitete Impulspapier stellte Stefan Löbbert, Leiter Corporate Sustainability der UniCredit Bank, vor. Zentrale Leitlinien sind:

  • Die Aspekte der Nachhaltigkeit sollen insbesondere im Kerngeschäft der Banken beachtet und die dafür notwendigen Prozesse vorangetrieben werden.
  • Nachhaltigkeit bedeutet für die privaten Banken, ökonomisch dauerhaft erfolgreich zu sein und gleichzeitig ökologisch, gesellschaftlich und sozial Verantwortung zu übernehmen.
  • Definition von Leitgedanken zu Ökonomie, Ökologie, gesellschaftlicher Verantwortung, wertebasiertem Handeln, Corporate Governance, Dialog mit Interessengruppen, zur Personalpolitik und zur Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Marketingebene verlassen

Das Impulspapier ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, allerdings steht der Prozess noch am Anfang. Es gilt, die Marketingebene zu verlassen, und das Thema Nachhaltigkeit in die Gesamtstrategie der Banken zu verankern. Dazu ist das Herunterbrechen der Leitlinien in konkrete Punkte notwendig. Bei der Vorstellung des Papiers in Berlin standen vor allem ökologische Aspekte im Fokus. Dies ist im Hinblick darauf konsequent, dass sich die Konflikte des 21. Jahrhunderts verstärkt um Rohstoffe, Klima, Wasser etc. drehen werden. Nichtsdestotrotz darf die ethische Komponente (z.B. Bildung & Kultur) nicht vergessen werden.

Umsetzung notwendig

Des Weiteren stellt sich die Frage nach der Umsetzung einer nachhaltigen Unternehmenspolitik. Ein Punkt, auf den Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, nachdrücklich hinwies. Sie forderte von den Banken klare Belege über ihren Beitrag zu einem nachhaltig funktionierenden Finanzmarkt und sieht hier deutlichen Aufholbedarf. In diesem Zusammenhang müssten die Institute für sich klären, wie systemrelevant ihre Geschäftsmodelle der Zukunft sein wollen, da sie ohne eine nachhaltige Ausrichtung langfristig nicht mehr erfolgreich sein werden. Bereits seit einigen Jahren fordern angelsächsische Pensionsfonds beispielsweise den Nachweis einer nachhaltigen Geschäftsausrichtung von Firmen, in die sie investieren. Für die Umsetzung könnten die Banken sich am Deutschen Nachhaltigkeitskodex orientieren.

Inspiration aus den eigenen Reihen

Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell haben Banken noch einige Herausforderungen zu meistern. Inspiration können Beispiele aus den eigenen Reihen bieten – u.a. die Umweltbank und die Triodos Bank. Generell lohnt sich ein Blick auf inhabergeführte Institute. Für sie gilt im Besonderen das Bild des „ehrbaren Kaufmanns“, der mit seinem Namen für nachhaltige Geschäfte, soziales Engagement und Mitarbeiterführung einsteht. Die Finanzkrise hat den Ruf vieler (großer) Banken beschädigt, immer mehr Kunden wollen ihr Geld ökologisch, ethisch und sozial korrekt anlegen – Nachhaltigkeit bedeutet deshalb nicht zuletzt auch Zukunftsfähigkeit.

 

Bildquelle: Shutterstock

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