Querdenker denken wie du und ich: FinTechs verstehen es, zu kommunizieren

Think different! FinTechs denken anders. Apple brachte das schon 1997 in einem Werbespot auf den Punkt:

„An alle, die anders denken: Die Rebellen, die Idealisten, die Visionäre, die Querdenker, die, die sich in kein Schema pressen lassen, die, die Dinge anders sehen. Sie beugen sich keinen Regeln, und sie haben keinen Respekt vor dem Status quo. Wir können sie zitieren, ihnen widersprechen, sie bewundern oder ablehnen. Das einzige, was wir nicht können, ist sie zu ignorieren, weil sie Dinge verändern, weil sie die Menschheit weiterbringen. Und während einige sie für verrückt halten, sehen wir in ihnen Genies. Denn die, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind die, die es tun.“

Was Apple im Handymarkt, Sony damals mit dem Walkman oder Amazon im Versandhandel… disruptive Ideen und Technologien und vor allem ihre Anführer, die Unbequemen, die Neudenker, die Infragesteller – diejenigen, die etwas wagten. Wagten, etwas neu, anders oder nur aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wagen. Genau das wäre das richtige Wort auch im Zusammenhang mit all jenen, die es aktuell wagen, die Großen dieser Welt anzugreifen oder zumindest so weit zu kitzeln, dass eine Reaktion erzwungen wird.

FinTechs haben mehr in petto als frische Ideen

Ob PayPal, YourWealth, wikifolio, vaamo, Lending Club, Nutmeg, Apple… die Liste ist mittlerweile beliebig erweiterbar. Viele wollen ein Stück vom Kuchen der Banken. Und die Angreifer aus der Start-up-Szene haben einige Vorteile gegenüber den Banken. Sie machen das Bezahlen bequemer. Sie geben den vollen finanziellen Überblick. Sie ermöglichen Kredite, ohne eine Bank zu betreten. Sie führen Unternehmen und Kleininvestoren zusammen. Sie reduzieren die Kosten im internationalen Zahlungsverkehr radikal. Sie demokratisieren den Wertpapierhandel. Hier soll es aber nicht um das gehen, WAS die Angreifer verkaufen, sondern WIE sie es verkaufen. Die FinTechs verstehen ihre Zielgruppe und das gewisse Etwas mehr von smartem Marketing.

Die Kommunikation der FinTechs – radikal offen!?

Und dabei werfen sie vor allem einen echten Vorteil in den Ring: Sie erreichen ihre Zielgruppe! Unabhängig von den tatsächlichen USPs, welche die FinTechs kreieren, führt ein weiterer Faktor zum Markterfolg – eine hervorragende Kommunikation mit den Interessenten. Die Kommunikationsstrategien setzen genau dort an, wo viele Banken bislang scheitern. Transparent sein, ist das Credo. Fast alle Webseiten der Angreifer stellen die Begriffe Transparenz oder Vertrauen in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation. Sie wollen transparent sein und Vertrauen gewinnen, und können das ihren Kunden wegen fehlender Skandale und häufig einfach anmutenden Erläuterungen ihrer Produkte und Kosten, auch glaubhaft vermitteln. In radikaler Reduktion kreieren bspw. die Macher von TransferWise die einfachste Erklärung ihres Mehrwerts: „Die clevere Alternative für Überweisungen ins Ausland. Banken berechnen versteckte Gebühren für Überweisungen ins Ausland. Bei TransferWise gibt es das nicht. Problem gelöst, Geld gespart.“ Sie nennen damit die Dinge beim Namen. Dazu gibt es direkt auf der Startseite einen Rechner, der einem aufzeigt, was der Kunde an zum Teil versteckten Gebühren sparen kann.

„Vertrauen gewinnen“ ist das Stichwort: Reviews gehören auf den Seiten der FinTechs zum guten Ton. Bei den Banken suchte ich hingegen in aller Regel vergebens nach eben solchen – Authentizität, Fehlanzeige. Bei nutmeg findet sich z.B. diese Erfahrung: „They give me absolute trust that they’re on top of my finances – as much as I would be if I was managing it.“ — Helen, managing director”. Auch hier also – clever kommuniziert ist halb gewonnen. Und es geht noch weiter: Mit dem Slogan “Don’t just take our word for it“ leiten die Macher zu Referenzen aus der Presse über. Und diese sind im Zweifel mehr Wert als jedes Siegel. Denn sie erzählen immer eine Geschichte und erreichen damit Hirn und Herz beim Leser.

Kann das den Banken egal sein?

Nein. Die Banken sollten sich nicht ausschließlich mit den USPs der Dienstleistungen der FinTechs auseinandersetzen. Das verlorene Vertrauen vieler Kunden in ihre Bank spielt den Kommunikationsstrategen der FinTechs zusätzlich in die Hände. Verlieren die Banken die Kommunikationshoheit, weil es die Querdenker besser verstehen, die Kunden zu erreichen, ist die Gefahr Kunden zu verlieren exponentiell erhöht. Es wird sich zeigen, ob die etablierten Player Antworten auf die Frage „Wie erreiche ich meine Kunden?“ finden.

 

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