SEPA Instant Payments: Instantsuppe oder neuer Taktgeber?

Könnte eine europaweite 24x7x365-Echtzeitbezahllösung den Zahlungsverkehr auf den Kopf stellen? Ein Blick in die Zukunft. 

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich es angedeutet: SEPA Instant Payments haben das Zeug dazu, Bargeld als meistgenutztes Zahlungsmittel abzulösen. Vorangetrieben wird die „Payment-Revolution“ von der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Euro Retail Payments Board (ERPB). Sie haben erkannt, dass der Verbraucher früher oder später kein Verständnis mehr dafür haben wird, dass Zahlungen länger dauern als der Versand einer E-Mail oder SMS. Dazu kommt, dass weltweit bereits in 17 Ländern Instant Payments existieren, darunter sieben SEPA-Teilnehmer. Höchste Zeit, im SEPA-Zahlungsraum ein einheitliches Verfahren zu etablieren – bevor es zu einer weiteren Zersplitterung kommt, die nur den Nicht-Banken (PayPal, Apple, Google & Co.) in die Karten spielt. So verwundert es auch kaum, dass 80 Prozent der Banken einen hohen Handlungsbedarf bei der Etablierung von „SEPA Realtime Payments“ sehen (vgl. die bank 1/2015).

Was charakterisiert SEPA Instant Payments?

Nach der Definition des ERPB sind die folgenden Merkmale kennzeichnend:

  • Elektronisches Massenzahlungssystem
  • 24x7x365-Verfügbarkeit
  • (Nahezu) sofortiges Interbanken-Clearing oder Garantiemodelle
  • (Nahezu) unmittelbare Gutschrift auf dem Empfängerkonto
  • Sofortiges oder nachgelagertes Settlement

Mit anderen Worten: Es handelt sich um „Cashless Cash“. Voraussetzung dafür ist ein europäisches Instant Payment Scheme, das für alle Payment Service Provider offen ist.

Bye, bye Bargeld

Vor allem in drei Bereichen haben SEPA Instant Payments großes Potenzial, sich mittelfristig durchzusetzen:

  1. Mit SEPA Instant Payments werden im Person-to-Business-Handel Lösungen entstehen, bei denen der Händler beim Bezahlvorgang eine Zahlungsaufforderung (z.B. über NFC) an das Smartphone des Kunden sendet; dieser initiiert dann eine Überweisung von seinem Konto auf das des Händlers. Der entscheidende Vorteil: Im Vergleich zu den bisherigen Verfahren (Lastschrift oder Kreditkarte) ist dieses Verfahren für den Händler wesentlich kostengünstiger abzuwickeln. Das wird möglich, da bei einer Überweisung kein Ausfallrisiko mehr besteht, d.h., der Händler benötigt keinen Man-in-the-Middle, der das Risikomanagement übernimmt und die Zahlung garantiert. Im Grunde ist dies ein „Frontalangriff“ auf das Kerngeschäft von Kreditkartenfirmen und sogenannten Payment Initiation Service Providern (PISP).
  2. Wenn wir am POS bargeldlos bezahlen und feststellen, wie einfach das doch ist (jeder PayPal-Nutzer möge sich daran erinnern, dass wir diese Zahlmethode meist bereits nach der zweiten erfolgreichen Transaktion komplett akzeptiert haben), wird sich diese Zahlmethode auch im privaten Umfeld (Person-to-Person) durchsetzen. Für die Bezahlung des nächsten Geburtstagsgeschenks werden wir dann einfach – direkt auf der Party – eine Instant-Payment-Überweisung durchführen, entweder über eine separate App oder integriert in die Mobile-Banking-App.
  3. Auch im Business-to-Business-Bereich sind interessante Szenarien denkbar – zum Beispiel mit Blick auf das Cashpooling und das Liquiditätsmanagement in Konzernen. Es wird möglich werden, vom Konto meiner Tochtergesellschaft in Bilbao (spanische Bank) in Sekundenschnelle Geld auf das Konto der Muttergesellschaft in Hamburg (deutsche Bank) zu überweisen.

Die Herausforderung: technologischer Speed

Natürlich wird es noch „ein wenig“ brauchen, bis die skizzierten Use Cases in der Realität greifen. Im besten Fall werden die Vorgaben für SEPA Instant Payments im November 2017 gezeichnet und sind ab 2019/2020 verbindlich. Zeit, die auch dringend benötigt wird – denn auf technologischer Seite ist noch eine ganze Reihe an Fragen zu beantworten. Die wichtigste: Wie verändert man den Zahlvorgang inklusive Durchführung (=Buchung) – der heute aus ca. 20 Prozessschritten besteht und mindestens einen Tag dauert – so, dass er binnen fünf Sekunden abgewickelt werden kann? Das kommt einem echten Quantensprung gleich und deshalb handelt es sich bei den SEPA Instant Payments mitnichten um einen versalzenen Abklatsch des Zahlungsverkehrs, sondern sie sind eine konsequente Fortführung der EU-Strategie, den Zahlungsverkehr als Schlagader der europäischen Wirtschaft zukunftsfähig auszugestalten.

 

Bildquelle: Shutterstock

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