Taxbutler – disruptive Innovationsgefahr für Steuerberater?

Das Arbeiten der Zukunft: Unter diesem Motto stand Anfang April das Event Between the Towers in Frankfurt. Dieses Mal mit Start-ups jenseits der klassischen FinTech-Szene. Besonders spannend: taxbutler. Grund genug, das Start-up ausführlicher zu betrachten.

„Steuererklärung ab 27 Euro – für alle Einkunftsarten“: Das ist die erste Message, welche taxbutler bei Eingabe des Start-ups in die Suchmaschine Google an die Welt kommuniziert. Neben der Nutzung von Steuersoftware und Webdiensten steht nun eine weitere Alternative zur Erstellung der Steuererklärung zur Verfügung. Gehört das Berufsbild des Steuerberaters zu den Verlierern der Digitalisierung?

Die aktuelle Situation

Die jährliche Steuererklärung ist eine lästige Aufgabe für viele Betroffene. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die Auseinandersetzung mit dem Thema als Laie und das Zusammentragen aller notwendigen Dokumente kostet Zeit und Nerven. Für dieses Problem existierten bis heute drei Lösungen:

  1. Beauftragung eines Steuerberaters
  2. Nutzung einer Steuersoftware
  3. Nutzung von Webdiensten oder Apps

Durch den Einsatz eines Steuerberaters wird der Löwenanteil des Aufwandes zur Erstellung einer Steuererklärung an diesen outgesourct. Weitere Vorteile in Form von Up-to-date-Informationen sowie Beratungsleistungen stehen dem Honorar gegenüber, welches der Steuerberater verlangt. Steuersoftware ist demgegenüber kostengünstig zu erwerben. Der Steuerzahler wird durch die einzelnen Bereiche der Steuererklärung geleitet und zur Eintragung absetzungsfähiger Positionen aufgefordert. Das Mitdenken und Aktivwerden verbleibt somit beim Aussteller, dessen persönliche Daten auch. Das grenzt diese Lösung von Apps oder Webdiensten ab, bei welchen die Steuerdaten des Nutzers in der Cloud liegen und wodurch automatisch Datenschutzfragen entstehen. Der Vorteil besteht in der ort- und zeitunabhängigen Erstellung der Steuererklärung.

Die Lösung von taxbutler

Taxbutler kombiniert die drei Lösungen, um die Vorteile aller zu vereinen. Das Ziel besteht darin, es Nutzern zu ermöglichen, Steuererklärungen bequem im Web mit der Qualität eines Steuerberaters zu Kosten von Steuersoftware zu erstellen. In den Ablaufschritten der Lösung spiegelt sich die Kombination wider:

  1. Der Nutzer kauft das von ihm benötigte Steuerpaket. Danach erhält er eine Checkliste mit allen benötigten Unterlagen. Die Belege können online (Fotoaufnahme mit dem Smartphone genügt) oder per Post an das Unternehmen gesendet werden.
  2. Daten werden von taxbutler erfasst.
  3. Die Steuererklärung kann vom Nutzer mit einem Mausklick erstellt, geprüft und direkt ans Finanzamt geschickt werden.

Der wesentliche Unterschied von taxbutler zu den Steuerprogrammen und Webdiensten besteht darin, dass der Steuerzahler lediglich die von ihm benötigten Belege einreichen muss, ähnlich wie beim Steuerberater. Es entfällt die selbstständige Eintragung und die Entscheidung, an welcher Stelle die selbst ausgewählten Belege zu erfassen sind.

Check des Leistungsangebotes

Doch ist diese Lösung wirklich so vielversprechend, wie sie klingt? Was kann sie tatsächlich und inwieweit hat sie das Potenzial, die vorhandenen Lösungen zu ersetzen?

Im Konditionenmodell auf der Homepage des Start-ups wird deutlich, dass die Kosten von 27 Euro nur für Angestellte mit Jahreseinkünften bis 25.000 Euro gelten. Für Einkünfte darüber hinaus werden für die gleichen Leistungen 87 Euro verlangt. Das Honorar eines Steuerberaters ist einzelfallabhängig und wird unter anderem bestimmt durch die Höhe der Jahreseinkünfte und den Umfang des Aufwandes, welcher mit der Erstellung verbunden ist. Die Steuerberatungsgebührenordnung schreibt keinen exakten, sondern einen Minimum- und Maximalwert für die Leistungsgebühren vor. Für Jahreseinkünfte in Höhe von 25.000 Euro fallen im mittleren Bereich dieser Grenzwerte bereits Kosten in Höhe von 252 Euro an. Steuern.de hat für das Jahr 2016 sieben gängige Steuerprogramme getestet. Der Durchschnittspreis dieser Programme beträgt 22,52 Euro. Die von Computerbild.de getesteten Steuer-Webdienste lagen im Ranking allesamt hinter den Steuerprogrammen und werden an dieser Stelle daher vernachlässigt.

2016-04-15 13_39_46-Taxbutler - Microsoft Word

Taxbutler hat somit sein Ziel der Preispositionierung im Bereich der Steuerprogramme erreicht. Auch die Aufwandsreduktion für den Steuerzahler im Vergleich zur Nutzung von zu installierender Software ist vorhanden, da Belege nicht selbstständig eingetragen, sondern vom Nutzer nur eingescannt beziehungsweise postalisch versendet werden müssen. Aktuell werden mit dem vorhandenen Leistungsangebot des Start-ups jedoch nicht die Bedürfnisse aller Steuerpflichtigen abgedeckt. Nicht unterstützt werden von der Lösung beispielsweise im Privatpersonenbereich Anwendungsfälle, die Unterhaltszahlungen oder die Pflege von Angehörigen inkludieren.

Zukunftsaussichten

Aus meiner Sicht hat die Innovation ausreichend Disruptionspotenzial, um die Anzahl sowie den Arbeitsfokus von Steuerberatern für die Zukunft zu verändern. Die Lösung von taxbutler sowie Steuerprogramme und Webdienste (für einfache Steuerfälle) stellen attraktive Alternativen dar, um Steuererklärungen zu erstellen. An ihre Grenzen geraten die Dienste bei komplexen Spezialfällen, sodass die Unterstützung von Experten erforderlich wird. Auch bei einer Erweiterung und Optimierung der derzeitigen Alternativangebote ist zu erwarten, dass sich insbesondere Unternehmen auch zukünftig für individuelle Beratungsleistungen Steuerberatern bedienen, um das Risiko von konfliktären Situationen mit dem Fiskus zu vermeiden. Diese Spezialfälle betreffen aber nicht die breite Masse und reduzieren somit nicht das Disruptionspotenzial der Innovation. Taxbutler zeigt mit seinem Konzept die voranschreitende Digitalisierung im Steuersektor und die anstehenden Veränderungen, die wir in diesem Bereich erwarten dürfen.

 

Bildquelle: Shutterstock

3 Gedanken zu “Taxbutler – disruptive Innovationsgefahr für Steuerberater?”

  1. Pfuffel

    Die Frage ist doch ob man als Investor schon Wissen sollte ob die Leistung der App des Anbieters als Steuerberatung (also das Programm erstellt die Erklärung) oder als reine Verwaltungssoftware (WISO) gesehen wird. Das hat am Schluss Einfluss darauf ob das StBerG zur Anwendung kommt. Da Sie in Ihrem Artikel aber schon die Vergütungsordnung der StB ansprechen gehe ich davon aus das es sich um Beratung handelt. Dies liegt ja auch nahe da damit geworben wird das die Erklärung erstellt wird.
    In der Folge bedeutet dies aber auch, dass die Möglichkeit Werbung zu propagieren sehr eingeschränkt wird durch § 8 des StBerG. Mit Blick auf die Preview für Investoren bei Seedmatch sollte man dazu festhalten das auf 2 Fundingstufen große Mengen an Geld in Werbung gesteckt werden soll. Was ja unter Umständen nicht möglich sein wird… Damit verkleinert sich nicht nur der Markt sondern birgt auch erhöhtes Streitpotential mit Alteingesessenen Steuerberatern und den zuständigen Kammern.
    Des weiteren ist die Frage zu klären in wie weit der Hersteller der App für etwaige Fehler haftet die das Programm ausführt. Stichwort Haftung des Steuerberaters-> liegt Seitens des Anbieters eine Berufshaftpflichtversicherung vor die genau diesen Punkt abdeckt?
    Ein weiteres Problem ist die Komplexität des Steuerrechts. Wobei ich der festen Überzeugung bin, dass die App bereits bei kleinsten Sachverhalten an Ihre Grenzen stoßen wird. Nehmen wir beispielsweise eine Elektronikrechnung auf der nicht das Produkt sondern nur ein Kürzel steht. Woher soll die App wissen was es ist… und dann muss es dieses Produkt, welches man der App schon beibringen musste auch noch dem korrekten Punkt in der amtlichen AfA Tabelle zuordnen.. ohne jeglichen Spielraum den ein Steuerberater walten lassen kann.

    Alles in allem ein interessanter Ansatz. Welcher aber m.E. nach kein Potential bietet zu skalieren sondern sehr eingeschränkt nutzbar ist….

    1. Matthias Raisch

      Die Leistung von taxbutler ist eine reine Software und unterliegt damit eben nicht dem StBerG. Wie auf Seedmatch ausführlich beschrieben ist, wird die Steuererklärung durch einen Algorithmus von der Software erstellt. Hierzu ist die Gesetzgebung eindeutig. Erst wenn manuell in die steuerliche Wertung der Daten eingegriffen würde unterläge taxbutler dem StBerG. Mehr gibt es dazu nicht zu erläutern. Damit ist auch klar, dass taxbutler in der Werbung nicht eingeschränkt ist.
      Für den Inhalt der Steuererklärung haftet immer der Kunde, auch wenn er diese über den Steuerberater anfertigen lässt. Ggf könnte der Kunde auf dem Klagewege die Haftung des Steuerberaters einfordern …
      Auch die Komplexität des Steuerrechts ist in Bezug auf die Steuererklärung der Kernzielgruppe von taxbutler zu relativieren. Hier gibt es seit Jahren keine wesentlichen Änderungen in der Steuererklärung. Und wie taxbutler mit über 1.400 erfolgreich abgewickelten Steuererklärungen bewiesen hat, ist es durchaus möglich in vielen Bereichen die Erstellung einer Steuererklärung über ein Algorithmus zu bewerkstelligen. Lässt man die komplexen Fälle außer Acht verbleibt taxbutler von den 36 Mio Steuerpflichten Haushalten noch eine Kernzielgruppe von rund 15 Mio Haushalten.
      Der Spielraum einer AfA ist bei Privatpersonen in der Regel zu 100% vernachlässigbar, da fast nicht vorhanden. Denn bei den Werbungskosten wird allenfalls mal ein PC oder Tablet abgesetzt und da sind die Spielräume nicht vorhanden. Und selbst wenn der Steuerberater es schaffen würde, die Abschreibung eines PC im Wert von 3.000 Euro um 2 Jahre zu reduzieren würde der Kunde die Steuererleichterung nur vorgezogen erhalten und dafür Kosten in Kauf nehmen die bis zu 90% über denen von taxbutler liegen.
      Die Skalierbarkeit ist aufgrund von drei Punkten realisierbar:
      1. Taxbutler ist eine Software und damit nicht auf Fachpersonal angewiesen, dass die Steuererklärungen erstellt.
      2. Als Software unterliegt taxbutler nicht dem StBerG
      3. Taxbutler hat ein Markt von 15 Mio Haushalten

      Herzliche Grüße
      Matthias Raisch

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