Tiefschlaf oder Aufbruch? So reagieren Banken auf FinTechs

Liebe Leserin, lieber Leser, ich nehme Sie heute mit auf eine Reise. Eine Reise in die Flure der Banktower…

Angenommen ich bin ein FinTech und ich betrete eine Bank. Durch die obligatorische Drehtür hindurch und vorbei am Empfang hinein in die Welt der Banker. Flink bewege ich mich durch die Flure der Tradition. Dabei begegne ich 38 Bankmitarbeitern. Fünf der Begegnungen verlaufen ohne jeden Blickkontakt – ich werde nicht wahrgenommen. Und das, obwohl ich versuche, eine ganze Menge Wind zu machen! Es wird über mich berichtet – in Fachmagazinen, der Wirtschaftspresse, in den großen Tageszeitungen. In England bin ich sogar schon ein Jobmotor innerhalb der Finanzbranche! Ich gehe also weiter und begegne 33 weiteren Bankern auf meinem Weg in die oberste Etage.

Ich nehme erneut offensiv Blickkontakt auf…

…und versuche, möglichst viel Aufsehen zu erregen. Bunt und schillernd wie ein Pfau. Nun versammeln sich alle um mich herum. Acht der Banker fragen mich, was ich hier will – ihre Banken würden doch noch gar nicht auf mich reagieren. Die anderen 25 aber sind sehr interessiert an meinen Ideen und Technologien. Ich will von ihnen wissen, ob mich die Banken, für die sie arbeiten, wahrnehmen und wie sie auf mich reagieren. Diese Frage löst ein wildes Durcheinander aus. Viele Banken (20) gründen gerade eigene Innovationsprojekte. Neunzehn erzählen von FinTech-Kooperationen, während mir acht Mal gesagt wird, dass sich die Bank als Inkubator betätigt. Fünf Banker haben von Akquisen zu berichten.

Die Fragen, die wir im Frühling dieses Jahres im Zuge unserer FinTech-Studie gestellt haben, offenbaren, dass nur eine Minderheit der Banken nicht auf FinTechs reagiert:

 

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In welchen Bereichen reagieren Banken?

Obwohl der Tenor oft anders lautet: Banken reagieren auf FinTechs – allerdings bleibt die Frage, in welchen Bereichen. Nach Aktivitäten im Feld der „neuen Finanzdienstleistungen“ suchten wir 2015 vergeblich. Darunter fallen Themen wie Factoring, Customer-Service-Automatisierung, Abrechnungsautomatisierung oder Forderungsversteigerung. Die Banken konzentrieren sich auf Bereiche, die ihre primäre Wertschöpfung betreffen: Zahlungsdienstleistungen, Kredite für KMU, Mobile Payment mit und ohne Kassensystemen oder Portfoliomanagement.

 

2015-08-10 16_33_59-PASS FinTech-Studie 2015_Presseexemplar.pdf - Adobe Acrobat Pro

 

Dass Banken damit das volle Innovationspotenzial ausschöpfen, darf bezweifelt werden, denn:

  1. Banken überlassen (vermeintliche) Nischen ggf. voreilig den neuen Playern.
  2. Das Potenzial, ihre Services mit Hilfe der FinTechs schneller, kundenfreundlicher und kostensparender zu machen bzw. mit Mehrwerten zu versehen, nutzt kaum eine Bank konsequent entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Aktuell konstatieren wir: Den ersten Schritt haben die Banken getan, der Weg ist aber noch weit.

 

Bildquelle: Shutterstock

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