Web Summit im Zeichen der Blockchain

Web Summit in Dublin – gestern Tag eins. Bewaffnet mit einem Presseausweis bekämpfe ich die Müdigkeit (verspäteter Flug) mit Start-up-Rodeo statt mit Kaffee. Denn für den habe ich einfach keine Zeit.

Neben vielen mehr oder weniger verrückten Gesprächen habe ich bei meinem Rodeo einen längeren Stopp – besser gesagt zwei Stopps – bei Cryptonomex eingelegt und mich unter anderem mit Stan Larimer unterhalten, der President des Blockchain Technology Providors.

Die Blockchain aus der Sicht des Ingenieurs – verständlich?

Das Verstehen hört beim Thema Blockchain für Laien schnell auf, wenn ein Ingenieur erklärt. Klar, der Ingenieur ist in seinem Element, wenn er über die Technologie berichtet. Wie ein Fisch im Wasser. So auch mein zweiter Gesprächspartner von Cryptonomex, Fabian Schuh. Ein Deutscher aus Nürnberg. Cryptonomex versteht sich als „Zulieferer“ für Start-ups und natürlich auch andere Unternehmen, die schon eine gewisse Größe erreicht haben. Ihre Technologie könnte man als Enabler verstehen. Sie liefern das Backend. Sie liefern die Kette, auf der dann Werte hin- und hergetauscht werden können. Und Fabian Schuh, seines Zeichens Ingenieur kurz vor seiner Dissertationsverteidigung, hat es tatsächlich vollbracht, mir, dem Nicht-Techniker, die Blockchain näher zu bringen. Aufgestiegen von einem Wissens-Token auf 2 Wissens-Token.

Was ist sie nun, diese ominöse Blockkette?

Achtung, es folgt Blockchain aus der Laien-Perspektive. Und genau das braucht es meiner Meinung nach. Denn das Potenzial der Blockchain-Technologie kann eine mächtige werden. Wenn die Unternehmen denn verstehen würden, wie sie das bloß einsetzen können. Dazu müssen potenzielle Kunden nicht jedes Detail der Chain verstehen. Wichtig sind das Grundprinzip und vielleicht ein paar Anwendungsfälle, die weniger abstrakt technisch daher kommen. Das Internet verstehen auch die wenigsten. Aber sehr viele verstehen, was sie mit der Technologie anfangen können.

Die Blockchain ist eine Art Autobahn für Werte – wichtig ist hier, dass es Werte sind und keine reinen Informationen wie im Internet. Diese Werte, von Blockchainern gerne als Token bezeichnet (auch ein Wort, das man bei Nicht-Technikern besser vermeiden sollte…), können in quasi null Zeit von A nach B befördert werden. Dabei kann man sich das System wie ein Excel-Sheet vorstellen, welches mit Informationen belegt wird. Und sobald die Zeile beschrieben ist, kann sie nicht mehr geändert werden. Sie ist fixiert, ein für alle Mal und unveränderlich. Sie ist in Stein gemeißelt und der Meißel wird weggeworfen. So ist es unmöglich, die Information als solche zu verändern. Was bedeutet, es können Werte unmanipulierbar gespeichert und versendet werden. 

Und das wiederum wird eine Vielzahl an Anwendungsfällen mitbringen. Nicht nur für Banken. Im Prinzip kann jeder von der Technologie profitieren, der Daten unveränderbar ablegen will. Fabian Schuh nannte mir ein Beispiel: Eine Krankenversicherung könnte die Blockchain anwenden, um es einem Arzt unmöglich zu machen, einmal eingetragene Diagnosen wieder zu revidieren. Und damit Versicherungsbetrug vorzubeugen. Die Frage ist hier natürlich, was, wenn der Arzt einen Fehler korrigieren will? Also einen echten. Diese passieren ja auch. Hier müsste es eine Option geben, den Fehler als solchen zu kennzeichnen und damit eine Korrektur eines wahren Versehens vorzunehmen. Aber ob es dann noch so sicher ist? Klar aber ist, die Blockchain kann für alle Werte eingesetzt werden – nicht nur für Geld oder Forex-Handel.

Es fehlt die Übersetzung in Alltagssprache

Alle Gespräche über Blockchain, die ich bisher – auch beim Web Summit – geführt habe, decken die Defizite auf. Und diese haben nichts mit der Technik zu tun. Es ist ein Kommunikationsproblem. Solange die Techniker es nicht schaffen, dieses Backend-System so zu beschreiben, dass es diejenigen mit den Business-Ideen auf dem nötigen Level durchdringen, wird es problematisch sein, die Technologie zu etablieren. Und eine weitere Mauer muss eingerissen werden, um die Blockchain zur Technologie des Jahrhunderts zu machen: Die Behaftung in den Köpfen, dass es sich bei Blockchain um eine kriminelle Sache handelt. Vielmehr ist es doch so: Jede Technologie kann von den Kriminellen dieser Welt verwendet werden, um dunklen Geschäften nachzugehen. Bereits das Internet bietet hier viele Optionen. Aber im Gegensatz zur Blockchain gibt es hier keine Mauer in den Köpfen oder einen faden Beigeschmack.

 

Bildquelle: Shutterstock

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