Web Summit Tag 2: Was hat Fashion mit FinTech zu tun?

Ich fühle mich, als hätte ich drei Nächte nicht geschlafen und zwei Tage nichts gegessen. Der Informationsoverload sagt Hallo und übernimmt mich. Die Folge: Automodus. Gestern bin ich mal fremdgegangen – Nadja goes Fashion!

Raus aus dem FinTech-Universum, rein in die Welt der Mode. Eines der längeren Gespräche habe ich heute mit Val Allemand geführt. Sie kommt aus Brasilien, lebt in Dublin, hat einen Mann und drei Kinder, ist studierte Designerin und Gründerin von saxastore.net. Einer Plattform, auf der sich zwei Parteien zusammenfinden:

  1.  Junge Designer, die ihre Kleidungsstücke an die Frau bringen wollen und das CSR-konform. Keine Kinderarbeit, keine Ausbeutung, keine fiesen Chemikalien erlaubt. Die Designer werden von Val handverlesen und als Verkäufer zugelassen oder abgelehnt.
  2. Die Zielgruppe sind Frauen zwischen 28 und Anfang 50, die sicher mehr Geld haben müssen als der Durchschnittsbürger und gleichzeitig ausgestattet sind mit einem Gewissen gegenüber jenen, welche unter industrieller Produktion zu Dumping-Preisen leiden. Bei gleichzeitiger Ablehnung, statt echter Qualität lediglich Markennamen zu bezahlen.

Was die Idee zum Erfolg bringen wird, ist sicher auch der Drive, mit dem Val Allemand an ihr Projekt Fashion-Peacemaker herangeht. Sie hat die Energie und das Überzeugungsvermögen auf ihrer Seite. Und zusätzlich investiert sie viel Energie in die Glaubwürdigkeit. Die Herstellung der Kleidung kann in einigen Fällen sogar als Video angesehen werden. So wirkt sie jenen entgegen, die sowieso keinem mehr glauben, es mit CSR wirklich ernst zu nehmen. Und da taucht er auf, der weniger offensichtliche Bogen zum Thema FinTech.

Glaubwürdigkeit: spätestens seit der Finanzkrise ein immer akuter werdendes Problem für Banken. Je weniger die Kunden den Banken noch ihr Vertrauen schenken, desto eher werden sie bereit sein, alternativen Anbietern versuchsweise ihr Vertrauen zu geben. Und dann werden sie unter Umständen gute Erfahrungen machen, sich bei ihnen besser verstanden fühlen und bemerken, dass es einfacher oder einfach preiswerter ist. Alleine die Art zu kommunizieren kann am Ende ausreichen, um eine Zielgruppe besser zu erreichen und einen Markt zu erobern.

Jeder will ein reines Gewissen haben. Manche wollen auch dafür bezahlen.

Val Allemand macht genau das, sie spricht eine klare Zielgruppe an, die bislang weder von der High-Fashion-Industrie (Frau bezahlt die Marke) noch von der Billig-Masche (z.B. Primark) angesprochen wird. Unique-Kleidung zu mittleren Preisen bei gleichzeitig gutem Gewissen. Im FinTech-Bereich passiert das ja auch. Statt namenlose Fonds aufzusetzen, gehen einige dazu über, Investments zu schnüren, die dem Wunsch der Zielgruppe nach einem reinen Gewissen entgegenkommen. Green Investments, Social Responsible Investments Nachhaltigkeit ist das Stichwort und sicher einer der Mega-Trends innerhalb der westlichen Welt und ihrer relativ breiten Mittelschicht.

Je mehr solcher „cleanen Angebote“ auf den Markt kommen und dabei wirklich glaubwürdig sind, desto mehr Menschen werden sich auch Gedanken über ihren Konsum und ihre Investments machen. Und auf dieser gesellschaftlichen Metaebene treffen sich dann sogar Fashion und FinTech.

 

Bildquelle: Shutterstock

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