Zukunft der Blockchain III: Banken vs. FinTechs – wer hat die Nase vorn?

Zukunft der Blockchain III: Banken vs. FinTechs – wer hat die Nase vorn?

Der dokumentäre Zahlungsverkehr als Anwendungsfall für die Blockchain und als Beispiel, warum Banken vielleicht doch am längeren Hebel sitzen.

In meinen letzten Blogbeiträgen kam ich zu zwei zentralen Schlussfolgerungen: Aufgrund ihrer fehlenden Skalierbarkeit ist die Blockchain für eine Abwicklung des allgemeinen Zahlungsverkehrs ungeeignet – ihre Chancen liegen stattdessen in Smart Contracts, die Abläufe vereinfachen und beschleunigen. Heute möchte ich in diesem Kontext den internationalen Warenverkehr in den Fokus rücken.

Finanzierung und Absicherung von Auslandsgeschäften

Das Auslandsgeschäft spielt für die deutsche Wirtschaft eine wichtige Rolle: 2015 wurden Waren im Wert von 1.200 Milliarden Euro ausgeführt und Waren im Wert von 950 Milliarden Euro importiert. 42 Prozent der Exporte gingen in Länder außerhalb der EU, vielfach waren die Handelspartner in Schwellen- oder Entwicklungsländern ansässig. Damit sind Risiken verbunden, die besonders abgesichert werden müssen.

Bisher wurden hier Dokumenten-Akkreditive oder vergleichbare Bankprodukte als Zahlungs- und Absicherungsinstrumente eingesetzt. Konkret verhält es sich dabei so, dass zwei Banken für das Vertrauen zwischen Importeur und Exporteur sorgen: Die eine Bank versichert, dass die gekauften Güter geliefert wurden, und die andere, dass der zu zahlende Geldbetrag auf dem Konto verfügbar ist. Dadurch kommen Exporteur und Importeur überhaupt erst zusammen. Aus dem abstrakten Geschäft zwischen weit voneinander entfernten Geschäftsparteien wird ein Zug-um-Zug-Geschäft: Ware gegen Geld.

Auch bei gewöhnlichen Kreditkartenzahlungen existiert eine zentrale Institution, die Vertrauen zwischen Käufer und Verkäufer schafft. Der Acquirer stellt sicher, dass der Käufer Geld hat, andernfalls wird die Transaktion abgelehnt. Bei der Kreditkartenzahlung handelt es sich um eine verhältnismäßig einfache Transaktion und es werden keine hohen Gebühren fällig. Wer viel verdienen will, muss große Stückzahlen abwickeln – damit ist das kein geeigneter Anwendungsfall für die Blockchain. Anders verhält es sich bei Akkreditiven: Hier liegt ein komplexer Geschäftsfall vor, bei dem zahlreiche Details geprüft werden müssen. Entsprechend hoch fallen die Gebühren aus.

Die Blockchain als Game Changer

Wir erinnern uns: Geschäftsprozesse, die heute mit großem manuellen Aufwand verbunden sind, beinhalten das größte Potenzial einer Automatisierung in Form von Smart Contracts. Und so ist es kaum verwunderlich, dass der dokumentäre Zahlungsverkehr bereits auf seine Eignung hin geprüft wurde: Ein Konsortium bestehend aus der Bank of America, Merrill Lynch, HSBC und der Infocomm Development Authority of Singapore hat im Spätsommer 2016 einen Proof of Concept aus insgesamt sieben Einzelschritten vorgestellt, der aufzeigt, dass der Akkreditiv-Prozess mit Hilfe einer privaten Distributed-Ledger-Technologie abgebildet werden kann. Das Geschäft bzw. die einzelnen Geschäftsschritte wurden dazu als eine Reihe von Smart Contracts auf einer privaten Blockchain implementiert und liefen anschließend automatisiert ab. Damit wurde der manuelle Aufwand deutlich reduziert sowie die Prozesssicherheit erhöht. Entwickelt wurde der Prototyp auf Basis des Hyperledger-Protokolls von IBM Research und IBM Global Business Service. Weitere Testszenarien sollen die bisherigen Erkenntnisse absichern.

Banken müssen ihre Vorteile nutzen

Die Blockchain besitzt ohne Zweifel viel Potenzial, die traditionellen Geschäfte und Prozesse auf den Finanzmärkten zu verändern. Insofern ist ihr disruptiver Charakter (für bestimmte Geschäftsprozesse) unbestreitbar. Das heißt im Umkehrschluss jedoch nicht, dass sich das Verhältnis zwischen Bank und Kunde grundlegend ändert, geschweige denn die Banken aus der Kundenbeziehung verdrängt werden.

Agieren die Banken klug, werden sie die aus der Blockchain resultierenden Chancen zur Kostenoptimierung nicht ungenutzt an sich vorüberziehen lassen und ihre Geschäftsmodelle modernisieren. Verschiedenste Initiativen und Konsortien zeigen, dass sie die Notwendigkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, grundsätzlich erkannt haben. Und dabei haben sie einen ganz entscheidenden Vorteil: Die Blockchain entfaltet ihre innovative und disruptive Sprengkraft vor allem im Kontext komplexer Geschäftsprozesse (dokumentärer Auslandszahlungsverkehr, Emission und Handel mit Derivaten etc.) – das erschwert Non-Banks die Attacke, denn sie müssen das notwendige Know-how erst noch erwerben. Der Kampf der Banken gegen FinTechs hat gerade erst begonnen und aus meiner Sicht ist das Kräfteverhältnis ein anderes, als die aktuelle Diskussion um die Blockchain dies in weiten Teilen impliziert.

 

Bildquelle: Shutterstock

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