Automatic Exchange of Information (AEOI): Schwere Kost für Finanzinstitute

Nach FATCA ist vor AEOI: der weltweite Austausch von Steuerinformationen stellt Finanzinstitute vor die nächste Herausforderung. Was tun? Um es mit den Worten des US-Generals Creighton Williams Abrams Jr. zu sagen: „When eating an elephant take one bite at a time“.

Kaum sind die Anforderungen von FATCA umgesetzt – zur Erinnerung, die erste Meldung muss bis zum 31. Juli erfolgen – müssen Finanzinstitute bereits den nächsten Brocken schlucken: den „Automatic Exchange of Information“ (AEOI). Auf der Berlin Tax Conference im Oktober 2014 haben 50 Staaten und Jurisdiktionen eine multilaterale Vereinbarung zum automatischen steuerlichen Informationsaustausch unterzeichnet. Mit diesem Abkommen verpflichten sich die Länder, ab 2017 Daten zu Finanzkonten von Steuerpflichtigen, die in einem anderen Staat ansässig sind, an den betreffenden Staat zu übermitteln.

FATCA war nur der Anfang

Das Thema des internationalen Informationsaustausches sorgt immer wieder für politischen Zündstoff, nicht zuletzt mit Blick auf den Datenschutz. Vor allem Deutschland, Frankreich und Großbritannien waren Treiber gesetzlicher Regelungen für mehr Transparenz. Zum 31. Dezember 2015 müssen Finanzinstitute ihre Kontenbestände erfasst haben und ab 2016 bei Neukunden die steuerliche Ansässigkeit feststellen. Der erste automatische Informationsaustausch von Daten wird im September 2017 erfolgen. Auf die deutschen Institute kommen hohe Datenschutzstandards zu – und nicht nur das…

Viele von FATCA betroffene Institute sind immer noch dabei, entsprechende Anforderungen zu implementieren und geeignete Prozesse aufzusetzen. So manch ein Staat wird nicht bis zum 31. Juli liefern können. Denn auch dann, wenn alle relevanten Konten identifiziert sind, bleibt die Herausforderung des Reporting-Prozesses. Einheitliche Vorgaben? Fehlanzeige. Es ist an den Instituten selbst, praktikable Lösungen zu finden. Jetzt wird der AEOI internationaler Standard – d.h. auch Finanzinstitute, die nicht von FATCA nicht betroffen sind, kommen an diesem Thema nun nicht mehr vorbei. Obwohl noch nicht alle Details ausgearbeitet sind, ist eines klar: dieser Brocken ist ungleich größer als FATCA. Die Anzahl der relevanten Kunden ist wesentlich höher und auch die Regelungen sind deutlich breiter angelegt. Anders als bei FATCA sind die Vorgaben nicht nur auf ein Empfängerland bezogen – Stichwort 50 Staaten.

Den Brocken frühzeitig zerlegen

Schon heute ist klar, dass der von der OECD entworfene Common Reporting Standard (CRS) weitreichende operationelle Auswirkungen auf Finanzinstitute entfalten wird – auch wenn die detaillierte Umsetzung in nationales Recht noch aussteht. Es gilt Verfahren zu implementieren, um die benötigten Daten valide zu übermitteln. Aufgrund der engen Anlehnung des neuen Reporting-Standards an FATCA lassen sich hier Synergien nutzen. Zentral ist, dass Finanzinstitute frühzeitig die Auswirkungen auf Geschäftsfelder, Prozesse und IT-Systeme prüfen und sich mit Governancefragen auseinandersetzen. Eine besondere Herausforderung ist dabei die nachhaltige und skalierbare Ausgestaltung des Themas – denn die Anzahl der teilnehmenden Länder und damit auch der Anforderungen wird kontinuierlich wachsen. Umso wichtiger ist es, den Brocken AEOI rechtzeitig in verdaubare Happen zu zerlegen.

 

Bildquelle: Shutterstock

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