Die Digitalisierung und das Bankensterben

Oft wird es prophezeit – das Ende der Banken (wie wir sie kennen). Ich bin davon überzeugt, dass der Finanzdienstleister von heute auch der von morgen sein kann – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Zukunft der Finanzdienstleister ist mehr denn je abhängig von der Fähigkeit der Bank-IT, den Digitalisierungsgrad von Produkten, Services und Prozessen zu steigern. Im Kontext dieses Gestaltungsprozesses geht es darum, Straight-Through-Processing-Raten (STP) zu erhöhen und die End2End-Supply-Chain auszuweiten. Die Bank der Zukunft ist ein Realzeitunternehmen, in dem der Anteil an manuellen Tätigkeiten auf Change-Prozesse reduziert wird.

Der heute vielfach strapazierte Begriff der Digitalisierung belebt im Umfeld der Finanzdienstleister eine Diskussion aufs Neue, die vor über 20 Jahren das papierlose Büro und das Realtime Enterprise (RTE) hervorbringen sollte. Die Vision von damals, mit Prozessmaschinen, Workflowsystemen und Dokumentenmanagementsystemen Medienbrüche zu vermeiden und die volle Automation der Administrationsprozesse auf den Weg zu bringen, ist auch die von heute. Das Ziel lautet Zero Latency – also keine Verzögerung in Prozessen, die den Kunden betreffen.

Filialbanken haben derzeit das Nachsehen

Tatsächlich sind aktuell in erster Linie die Direktbanken auf dem Weg zum RTE. Laut unserer Studie Online-Banking sind hier immerhin 70 Prozent der Produkte online abschließbar. Ein weiterer Schritt in Richtung eines digitalisierten Vertriebsprozesses ist die Legitimierung über Videochats anstatt Postident. Basis sind Produkte, die sowohl als Produkt selbst wie auch im internen Processing einfach sind und damit skalierbar sowie massentauglich.

Anders sieht es da bei den serviceorientierten und zur Individualität neigenden Filialbanken aus. Sie befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen steigenden Kundenanforderungen, explodierenden Kosten für die Umsetzung regulatorischer Anforderungen, hoher Ressourcenbindung für die Wartung von Legacy Systemen und einem wachsenden Wettbewerbsdruck. Die Angreifer sind Non- und Nearbanks, Auslandsbanken, branchenbezogene Banken (z.B. Autobanken) sowie FinTechs (z.B Apple und PayPal) und C2C-Plattformen (z.B. Lendico, LendingClub).

In der Regulatorik gefangen

Aktuell gelingt es nur wenigen Filialbanken, dieses Spannungsfeld aufzulösen. Die Folge ist eine offenkundige Innovationsblockade. Viele kommen nur noch dazu, das umzusetzen, was der Gesetzgeber von ihnen verlangt – und der verlangt viel. Zahlen des Verbands Öffentlicher Banken sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als 90 Prozent des jährlichen IT-Budgets sind in den Aufwandsblöcken Wartung und Regulatorik gefangen. Auf der Strecke bleiben Innovationen bzw. der Kundenservice. Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Die Regulationswelle rollt weiter. Darüber hinaus arbeiten viele Finanzinstitute mit schwerfälligen und unflexiblen Anwendungssystemen, die in den 80er- und 90er-Jahren entwickelt wurden. Eine Problemstellung, die mein Kollege Ole Barkmann in einem vorangegangenen Beitrag bereits beschrieben hat.

Future IT: Bank-IT 2.0

Innovationen schaffen, Kunden begeistern, regulatorische Anforderungen umsetzen und Wartungskosten reduzieren – ist das die Quadratur des Kreises oder ist die Innovationsblockade auflösbar? Die Antwort ist einfach: Einen Königsweg gibt es nicht, aber es gibt Königswege. Entscheidend ist die jeweilige Ausgangssituation der Bank. Im Rahmen unseres Beratungsansatzes Future IT konnten wir in mehr als zehn Fällen Kostenoptimierungen von über 150 Mio. Euro identifizieren. Es gilt, den Hebel zu finden, der schnell signifikante Kostenreduktionen ermöglicht. Das gewonnene Budget ist der Schlüssel, um Innovationen voranzutreiben und zukunftsfähig zu bleiben.

Die Hebel sind vielschichtig: sie reichen von der Verfahrenstechnik über Architekturen und das Projektmanagement bis hin zu Systemplattformen und dem -betrieb. In den nächsten Wochen werde ich Ihnen drei wesentliche Lösungsszenarien vorstellen:

  1. Einsatz von Standardsoftware (siehe zu diesem Thema auch den bereits erwähnten Beitrag von Ole Barkmann).
  2. Migration auf kosteneffiziente und wartungsfreundliche Plattformen mit offener Komponentisierung.
  3. Aufbau einer neuen Applikationslandschaft.

Was denken Sie? Kann der Finanzdienstleiter von heute auch der von morgen sein? Ich freue mich auf Ihre Einschätzung.

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