Schreckgespenst Regulierung: Ärgert es FinTechs und Banken?

Immer wieder dieses Wort: Regulierung – sie ist gekommen, um zu bleiben. Jetzt könnte man spontan denken, dass sie FinTechs und Banken gleichermaßen auf Trab hält. Doch ist dem wirklich so? Bremst das Schreckgespenst Regulierung die FinTechs oder fördert es sie gar?

In den letzten Wochen war ich auf so einigen Konferenzen und Messen unterwegs, die das Thema FinTech auf der Tagesordnung hatten. Von den „Finanzdienstleistern der nächsten Generation“ in Frankfurt bis hin zur BITKOM Fachkonferenz „Digitalisierung des Finanzmarktes / Bargeldlose Gesellschaft“ in Berlin – es gab ein wiederkehrendes Thema: die Regulierung. Wem macht diese eigentlich mehr zu schaffen? Banken, FinTechs, beiden gleich?

Regulierung hoch – Innovationen runter?

Die einfachste Vermutung: je mehr Regulierung, desto innovationsfeindlicher die Basis für neue Geschäftsideen. Tatsache ist allerdings: Die Regulierung ist präsent. Die FinTechs aber eben auch. Es existieren also Gründer, die sich von einem regulierten Markt nicht abschrecken lassen. Bis dato waren es die Banken, die scheinbar dachten, dass es gar nicht möglich wäre, auf ihrem Spielfeld innovativ zu sein. Nun kam so manches FinTech und belehrte sie eines Besseren. Denn was ist ein großer Vorteil, den FinTechs ausspielen können? Sie schaffen Innovationen, statt sich zu fragen, ob das überhaupt geht. Und damit machen sie aus innovationstheoretischer Sicht alles richtig: Sie denken sich ein Ideal aus, welches dann an die Realität angepasst wird. Statt sich in Minischritten von Null auf etwas mehr als Null nach vorne zu innovieren – oder besser gesagt zu verbessern. FinTechs fragen sich eher: „Was ist das Ideal aus Kundensicht?“. Und beginnen von dort aus. Eine Mentalität, die Google vom Start-up zum Multimilliarden-Dollar-Weltimperium transformierte. Eine Waffe gegen Scheuklappen.

Neue Spielregeln = neue Herausforderungen

Nun ist es unbestritten, dass eine Regulierung Nachteile mit sich bringt. Nehmen wir z.B. die Deckelung der Interbankenentgelte (MIFs) für kartengestützte Zahlungsvorgänge. Diese ärgert auch die neuen Player, die durch diese Regelung von Banken kompetitivere Angebote erwarten müssen. Und damit wird ihre Chance kleiner, Kunden durch ihre kostengünstigeren Angebote von sich zu überzeugen. Der Marktzugang könnte damit schwieriger werden. Auf der anderen Seite hilft eine klare Regulierung, das Spielfeld gut zu kennen. Und auf bekanntem Terrain lassen sich einfacher Manöver durchführen. Das kann dann so manchem FinTech, dem es nach der Idee schwer fällt, sein Produkt regulierungskonform auf den Markt zu bringen, sogar helfen. Einige brauchen heute unbestritten lang und haben einen hohen Beratungsbedarf, bevor sie den Markt mit ihren Produktideen wirklich entern können. Und auch die Bankenaufsicht hat die FinTechs auf dem Schirm und hebt das Thema IT-Sicherheit als eines ihrer Schwerpunktthemen für 2015 hervor.

Innovationsstärke kann nicht einfach ausgebremst werden

Nichtsdestotrotz sieht es aktuell so aus: Wer begeistert gerade mit Ideen, auf die vorher noch keiner der Goliaths im Finanzdienstleistungssektor gekommen ist? Genau, die Davids. Die sich nicht von der Übermacht haben beeindrucken lassen. Und auch nicht davon, dass der Markt immer stärker reguliert ist. Sie denken anders und fragen sich zuerst: Was will der Kunde und was kann ich mit Technik und neuen Ideen dazu beitragen, dass er bekommt, was er will? Dann wird geschaut, ob es in die Regulierung passt. Und was nicht passt, wird bekanntlich auch mal passend gemacht.

Und überhaupt…

… sind viele FinTechs auf dem Parkett, deren Ziel die Kooperation und nicht die Attacke ist. Davon können Banken dann ganz einfach profitieren, ihre Prozesse verbessern und ihren Kunden ein optimiertes, schnelleres oder bequemeres Angebot machen. Hand in Hand mit den FinTechs, die ihre innovativen Ideen trotz (oder gerade wegen der Regulierung) auch in Zukunft realisieren werden. Ich jedenfalls habe noch keinen FinTech-Verantwortlichen sagen hören, dass ihn die Regulierung ernsthaft ausgebremst hat. Auch das mag vorkommen, keine Frage. Aber es wird stets die Überlebenden geben, welche das Schreckgespenst namens Regulierung ein Gespenst sein lassen, das sie nicht nachhaltig zu ärgern in der Lage ist.

 

Bildquelle: Shutterstock

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