Niedrigzinsphase: Aktien und Solvency II, geht das?

Deutsche Versicherer und die Börse – zwei Welten prallen aufeinander. Das belegt ein Aktienanteil von lediglich zwei Prozent in der Beimischung mehr als deutlich.

Die Gründe für dieses Bild sind vielschichtig und reichen von den negativen Erfahrungen rund um die Aktienspekulationen der Mannheimer Lebensversicherung AG bis hin zu der Tatsache, dass sich schwankende Kapitalanlagen nur schlecht mit den langfristigen Garantien deutscher Lebensversicherungen vertragen.

Neuster Hemmschuh am Horizont: Solvency II. Danach müssen für Kapitalanlagerisiken zukünftig angemessene Eigenmittel vorgehalten werden. Das Aktienrisiko für Typ 1-Aktien (auf regulierten Märkten in Ländern der EWU und OECD gelistet) liegt bei einem Basisschockfaktor von 39 Prozent; d.h. 39 Prozent des Anlagewertes müssten als Eigenmittel hinterlegt werden. Ein Wert, der je nach dem symmetrischen Anpassungsfaktor (zwischen +10 und -10 Prozentpunkten) nochmals schwanken kann – so sollen prozyklische Effekte vermieden werden. In der Konsequenz erscheint eine Anlage in Aktien weiterhin wenig attraktiv.

Aber: Können sich Versicherer diese Haltung vor dem Hintergrund der anhaltendenden Niedrigzinsphase noch leisten?

Aus meiner Sicht ist diese Frage mit einem klaren „Nein“ zu beantworten. Das beweist unter anderem ein Blick auf die Kapitalanlagestruktur der deutschen Lebensversicherungsgesellschaften. Der Anteil an Rentenpapieren bewegt sich über 80 Prozent – lag die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen vor zehn Jahren noch bei 4,2 Prozent sind es heute lediglich 1,83 Prozent. Ähnliches gilt für risikolose Staatsanleihen (EWU-Kernstaaten, Rating AAA, zehn Jahre +), die eine durchschnittliche Rendite von 2,3 Prozent erzielen. Demgegenüber steht eine Garantieverzinsung für Lebensversicherungen von im Durchschnitt 3,2 Prozent.

Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr

Um ihre Überlebensfähigkeit sicherzustellen, müssen Versicherer eine Umschichtung in andere Assetklassen vornehmen. Einen Fingerzeig liefert hier die Performanceentwicklung des DAX, die in den letzten zehn Jahren bei über 126 Prozent liegt. Daraus resultiert ein durchschnittlicher jährlicher Wertzuwachs von mehr als zwölf Prozent; bei einer Dividendenrendite von ca. vier Prozent.

Mein Fazit ist eindeutig: Steigende Kapitalanforderungen unter Solvency II werden durch die höheren Renditechancen überkompensiert. Der Spagat besteht für Versicherer darin, Wege zu finden, risikominimiert und gleichzeitig renditemaximiert am Aktienmarkt zu agieren. Eine Option sind beispielsweise portfoliooptimierende Anlageberatungssysteme die künstliche Intelligenz mit maschinellem Lernen kombinieren und dadurch alle emotionalen Einflüsse aus dem Entscheidungsprozess ausschließen. Ergebnis ist eine nachhaltige und risikoarme Kapitalanlagestrategie.

Ist eine erhöhte Aktienquote für Versicherer der Ausweg aus der Niedrigzinsfalle und welche Anlagestrategien sind aus Ihrer Sicht der Schlüssel zur Erzielung eines höheren risikoadjustierten Ertrages? 

 

Bildquelle: Shutterstock

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