Der mündige Kunde: Hat der Anlageberater ausgedient?

Fehlendes Vertrauen, niedrige Zinsen – das Thema Geldanlage ist momentan kein einfaches. Neue Player schicken sich an, den Markt aufzumischen. Wo liegt die Zukunft?

Wer kennt diese Situation nicht? Man trifft sich mit Freunden in geselliger Runde und spricht über das eine oder andere Thema: Wirtschaft, Politik und das liebe Geld. Genauer gesagt die Geldanlage. Und gelegentlich kommt auch ein Bekannter mit der Frage um die Ecke: „Du bist doch Banker. Hast Du nicht einen Tipp für mich? Ich habe ein kleine Summe übrig und möchte diese gerne gut anlegen.“

Das erinnert mich an einen Artikel, den ich vor Kurzem in „Das Investment“ gelesen habe. Unter der Überschrift „Mit Berater klappt’s besser“ zeigt eine BlackRock-Studie auf, dass Menschen, die eine Finanzplanung ernst nehmen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, zuversichtlicher in ihre finanzielle Zukunft schauen. Laut der Studie haben sich 55 Prozent der Deutschen noch nie beraten lassen, 28 Prozent haben sich in der Vergangenheit beraten lassen und 17 Prozent lassen sich aktuell beraten. Ich bin neugierig und frage meinen Bekannten, ob er sich hat beraten lassen. Nein. Als ablehnende Gründe bekomme ich zu hören, die Beratung sei das letzte Mal einseitig und nicht objektiv gewesen. „Die verkaufen doch nur, was sie gerade müssen und wofür sie noch dazu die meiste Provision bekommen. Angefangen von einem Bausparvertrag über eine Lebensversicherung bis hin zu ihrem hauseigenen Fonds“. „Ein Fonds ist keine schlechte Anlage“, sage ich, „es ist immer noch besser, in einen Aktienfond oder einen Multi-Asset-Fonds zu investieren, als sein Geld auf einem Sparbuch oder als Tagesgeld zu parken. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase frisst die Inflation dein Kapital auf, wenn du nicht aufpasst“.

Tipps sind so eine Sache

Ich könnte meinem Bekannten jetzt einen Fonds empfehlen. Eine Orientierung bieten hier die verschiedensten Prämierungen. Der von Philipp Magenheimer gemanagte Fonds „WAVE Total Return Fonds R“ erhielt gerade die Auszeichnung für den besten Fonds in der Kategorie „Absolute Return EUR Low“ für den Zeitraum von fünf Jahren. Allerdings könnte es auch etwas risikofreudiger sein. Eine Rendite von 20 Prozent vielleicht. Mit den Tipps ist das auch immer so eine Sache. Hinterher ist man schlauer. Letztendlich einigen wir uns darauf, dass wir gemeinsam einen Termin bei seiner Bank vereinbaren.

Trading im Wandel

Ich selbst beschäftige mich schon viele Jahre beruflich und privat mit der Geldanlage und dem nachhaltigen Vermögensaufbau. Freunde von mir haben sich als Vermögensberater selbstständig gemacht oder verdienen ihren Lebensunterhalt als Broker oder Berater. Sie alle machen einen guten Job, kämpfen um ihre Kunden, versuchen das Bestmögliche für ihre Klienten zu erwirtschaften und geben offen zu, dass sich die Anlagepolitik und das Verhalten der Anleger in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Das Vertrauen in die Banken und Berater ist nicht mehr so wie vor einigen Jahren. Die Kunden sind mündiger geworden. Sie informieren sich über das Internet, auf Fachmessen und in den Medien. Außerdem locken neue Formen der Geldanlage wie das Online oder Social Trading. Hier wird nicht mehr dem Bankberater oder dem Fondsmanager gefolgt, sondern den Tipps und Empfehlungen aus der Community. Ein spannendes Thema, in das ich gerne tiefer einsteigen möchte. Morgen werde ich an dieser Stelle deshalb auf einige Akteure eingehen und eine Antwort auf die Frage suchen, ob Social Trading Schwarmintelligenz oder Denkfehler ist. Und haben die neuen Plattformen das Potenzial, den Anlageberater abzulösen?

 

Bildquelle: Shutterstock

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