Ist computerbasierter Börsenhandel die Büchse der Pandora?

High Frequency Trading – ein aktuell heiß und überwiegend negativ diskutiertes Thema. Zur Recht? Dazu hat unser Gastautor Franz Nees, Professor an der Fakultät für Wirtschaftsinformatik der Hochschule Karlsruhe, seine ganz eigene Einschätzung.

Mit dem Einzug von Computersystemen in den Wertpapierhandel ist die Entscheidung, welche Käufe oder Verkäufe zu welchem Zeitpunkt und Preis getätigt werden, in weiten Teilen auf Maschinen übergegangen – zusammengefasst unter dem Oberbegriff „Algorithmic Trading“.

Die größten Vorteile dieser computergestützten Systeme:

  • eine emotionsfreie Beurteilung der Situation und
  • die Verarbeitung von tausenden Informationen in Echtzeit.

Da wo der Mensch überfordert ist, beginnt die Spielwiese und Stärke des Computers, verbindet er doch eine rationale Entscheidungsfähigkeit mit der sekundenschnellen Bewältigung von Masseninformationen. Aktuell sieht sich der automatisierte Börsenhandel allerdings einer eher kritischen Diskussion ausgesetzt – im Mittelpunkt des Interesses steht das High Frequency Trading (HFT).

Spannend wird dies bei einem Blick auf das Handelsaufkommen: Je nach Börse entfallen heute etwa die Hälfte bis zwei Drittel auf HFT. Damit besitzt dieser Bereich eine besonders hohe Relevanz für die Umsätze und Gewinne der Börsen und anderer Handelsplattformen. Nun ermitteln mehrere US-amerikanische Aufsichtsbehörden – mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneideman an der Spitze – aufgrund vermuteter unfairer Praktiken und Absprachen zwischen Börsen und Hochfrequenzhändlern zu Lasten kleiner Marktteilnehmer. Eine Vermutung, die auch das Buch „Flash Boys: A Wall Street Revolt“ von Michael Lewis aufgreift.

Mensch gegen Maschine: Kampf um die beste Strategie

Unabhängig davon, ob sich diese Vorwürfe beweisen lassen oder nicht – die Rolle des HFT im täglichen Börsengeschehen ist vor allem immer dann umstritten, wenn es zu abrupten Kursbewegungen kommt. So besteht in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Flash Crash vom 6. Mai 2010, als der Dow Jones innerhalb weniger Minuten um ca. 1.000 Punkte abstürzte, Konsens darüber, dass die Algorithmen der HF-Trader diese extreme Marktsituation mindestens begünstigt haben. Letztendlich ist der Versuch, durch beständige Käufe und Verkäufe jeweils geringe Margen zu verdienen und dabei am Ende des Tages keine offenen Positionen mehr zu haben, ein Kampf zwischen Maschine und Mensch: Wer hat die beste Strategie? Dies birgt das Risiko eines zerstörerischen Wettlaufs. In diesem Sinne hat sich kürzlich z.B. auch der Milliardär und Investor Mark Cuban – u.a. Besitzer des Nowitzki-Teams Dallas Mavericks – in einem kritischen Interview mit CNBC geäußert.

 

2014-05-27 15_06_00-Mark Cuban rips high-frequency trading
Quelle: www.cnbc.com

Pauschalisierungen sind nicht zielführend

Beschränkungen für den Hochfrequenzhandel scheinen aus aktueller Sicht durchaus denkbar, hat die Zahl der einflussreichen Gegner doch stark zugenommen. In der Diskussion sollte allerdings berücksichtigt werden, dass nicht jede Form von „Algorithmic Trading“ gleich Hochfrequenzhandel ist. Es existieren Algorithmen, die vielmehr darauf abzielen, durch eine Stärken-/Schwächen-Analyse von Unternehmen und ihrer Aktien die besten Investmentgelegenheiten zu finden und manchen gelingt dies dann sogar besser und zuverlässiger als dem Mensch. Je nach Situation werden Wertpapiere dabei länger oder aber eben auch nur sehr kurz gehalten. Oberflächlich betrachtet ist im letzteren Fall kein Unterschied zum Hochfrequenzhandel zu sehen – obwohl er in der Realität durchaus besteht.

Die Gretchenfrage für eine Beschränkung des Hochfrequenzhandels lautet aus meiner Sicht deshalb: Wo enden die „guten“ Algorithmen und wo beginnen die „bösen“? Was meinen Sie?

 

Bildquelle: Shutterstock

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