Raus aus der Zinsmisere, rein ins FinTech-Universum?

FinTechs demokratisieren den Wertpapierhandel, Social Trading ist nur eines der Schlagworte. Dabei spielt ihnen nicht nur die Niedrigzinsphase in die Karten.

Das Vertrauen der Anleger hat gelitten. Dafür hat die Finanzkrise gesorgt. Das Zinsniveau ist auf ein Kaum-vorhanden-Level abgestürzt. Die Gebühren fressen bei Kleinanlegern mögliche Gewinne auf. Und immer wieder Berichterstattungen über zweifelhafte Beratungspraktiken einiger Banken – die Kunden nehmen es wahr. Und sie fragen sich: Wie kann ich in diesen Zeiten dafür sorgen, dass mein Geld nicht dahin schmilzt wie der Schnee beim plötzlichen Sommereinbruch in den Alpen? Welcher Hand kann ich vertrauen?

Die Antwort kann lauten: „Meiner Hausbank! Wem sonst? Die kenne ich. Da weiß ich, wie es läuft“. Die Antwort kann heute aber auch anders aussehen: „Einem FinTech! Ich habe da von einem gehört, bei dem ich schon ab 50 Euro im Monat investieren kann. Und die bieten mir sogar zwei Prozent garantierte Verzinsung bei geringem Risiko!“

Die Gemengelage spielt FinTechs in die Karten

Die Umwelt, in der sich Banken, FinTechs und Kunden aktuell bewegen, ist kompliziert und sorgt vor allem auf der Habenseite der FinTechs für ein Plus:

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Diese Faktoren bieten einen Nährboden für alternative Finanzdienstleister. Dazu kamen die Gerüchte über einen möglichen Rückzug der Deutschen Bank aus dem Privatkundenbereich… Überlässt so manche klassische Bank gar freiwillig das (Privatkunden-)Feld der Konkurrenz? Sind die Otto Normalverbraucher einfach nicht mehr interessant? Sollte sich ein solcher Trend abzeichnen, könnte sich die Bankenlandschaft noch dynamischer verändern als bisher angenommen – und den FinTechs in die Karten spielen. Zumindest bei der Deutschen Bank sieht man das nun wieder anders und rudert zurück. Die Privatkunden werden behalten, viele Filialen allerdings sollen geschlossen werden. Gleichzeitig werden ca. 1 Milliarde Euro in die Hand genommen und in die Digitalisierung investiert. Bravo!

FinTechs demokratisieren den Wertpapierhandel

Die Demokratisierung des Wertpapierhandels ist auf vollen Touren. Beim Social Trading können Anleger, je nach Anbieter, bereits ab 100 Euro in Portfolien investieren, welche von anderen publiziert wurden. Der Anleger verlässt sich dabei nicht auf einen Bankberater, sondern er ist Follower eines anderen Investors, der seine Anlagestrategie veröffentlicht. Dieses Konzept wird von den Banken bereits ernst genommen. Comdirect und der SBroker kooperieren mit dem Social-Trading-Anbieter wikifolio. Und dieser expandiert nun von Österreich und Deutschland aus auf den Schweizer Markt.

Das Beispiel Social Trading zeigt: Die Reise der Banken auf den Gewässern dieser unruhigen Zeiten geht zumindest teilweise in Richtung Kooperation. Ob dies ein Indiz für die generelle Reaktion der klassischen Banken auf die Konkurrenz aus dem FinTech-Universum ist, wird sich noch zeigen. Ebenso muss sich herauskristallisieren, ob die Banken auch tatsächlich in den richtigen Bereichen reagieren. Und zu guter Letzt muss die Zeit zeigen, ob die Angebote der FinTechs im Wertpapiergeschäft wirklich langfristig konkurrenzfähig zu Bankprodukten sind.

 

Bildquelle: Shutterstock

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