Social Trading: Schwarmintelligenz oder Denkfehler?

Die Kunden sind mündiger geworden. Ein perfekter Nährboden für neue Anlagenformen. Haben diese das Potenzial, den klassischen Berater abzulösen?

Das Vertrauen in die Banken und Berater ist nicht mehr so wie vor einigen Jahren – gerade beim Thema Anlageberatung. So ein Fazit meines gestrigen Beitrags. Vor allem Social-Trading-Plattformen positionieren sich als Alternative. Insgesamt möchte ich heute vier dieser neuen Akteure näher beleuchten: wikifolio, ayondo, United Signals und sharewise.

Mirror Trading vs. Schwarmintelligenz

wikifolio, ayondo und United Signals sind Vertreter des Mirror Tradings, d.h. der Investor sucht sich eine Strategie aus dem Universum der Trader heraus und investiert. Dabei wird das Community-Gefühl durch das Teilen der Informationen und Daten vermittelt.

wikifolio

Eine der bekanntesten Social-Trading-Plattformen – mit der ich mich beruflich bereits seit mehreren Monaten beschäftige – ist wikifolio. Hier wurden die Zeichen der Zeit früh erkannt, man hat sich starke Partner ins Boot geholt und expandiert kräftig. Vor allem dem Anleger, der nicht so recht weiß, wie er sein Geld anlegen soll, macht es die Website einfach. Die Trader werden sehr gut mit ihren Strategien vorgestellt. Des Weiteren gibt es jede Menge Tracking Records und eine wikifolio-Rangliste. Das eingesetzte Kapital wird in Form von Zertifikaten angelegt, die von Lang & Schwarz vergeben werden. Anleger können hierbei schon mit kleinen Beträgen ab 100 Euro starten. Und dann heißt es zurücklehnen, hoffen und bangen. Berücksichtigen sollte man als Anleger, dass der Trader nicht unbedingt mit seinem eigenen Geld handelt.

ayondo

Eine weitere Plattform, die sich in letzter Zeit sehr stark in den Medien präsentiert, ist ayondo. Wenn man der Website und den Einführungsvideos Glauben schenken darf, ist es sehr einfach, dort sein Geld zu vermehren. Allerdings sollte man beachten, dass ayondo nur mit Differenzkontrakten handelt, die aufgrund der Hebelwirkung auch einem größeren Risiko ausgesetzt sind. Im Gegensatz zu den meisten anderen Derivaten sind Differenzkontrakte keine Termingeschäfte, denn sie verfügen über keine Fälligkeit und die Haltedauer ist unbegrenzt. Mit Differenzkontrakten kann man sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen. Im Portfolio von ayondo sind die gängigsten Währungspaare, Aktienindizes, Anleihen, Rohstoffe und sehr große und liquide Aktienwerte vertreten. Der Anleger selbst kann mit kleinen Anlagebeträgen agieren. Die Trader handeln zumindest teilweise mit eigenem Geld.

United Signals

Einen größeren Betrag muss der Anleger hingegen bei United Signals investieren, die Anlagegröße startet bei 2.000 Euro. Was mir hier gut gefällt, ist die Tatsache, dass sich jeder Trader einer strengen Zertifizierung unterzieht. Erst nachdem die Handelsstrategie einen 100-tägigen Zertifizierungsprozess durchlaufen hat und sichergestellt wurde, dass eine Strategie vorliegt und der Anbieter risikobewusst handelt, wird der Trader öffentlich zugelassen. Des Weiteren – und diesen Vorteil möchte ich hervorheben – wird nur als Trader zugelassen, wer mit seinem eigenen, echten Geld handelt. Da weiter keine Gebühren anfallen und der Trader nur verdient, wenn er auch wirklich Gewinne erwirtschaftet, ist eine erfolgsabhängige Vergütung garantiert. Als mögliche Anlageformen stehen Devisen, Edelmetalle, Aktien, Anleihen und Rohstoffe zur Wahl.

sharewise

Ganz anders positioniert sich die Plattform sharewise. Sie verfolgt nicht das Konzept eines einzelnen Traders, sondern erstellt eine Strategie der Community, also der Vielen. Das Stichwort lautet Schwarmintelligenz. Das Prinzip ist sowohl einfach als auch wiederum komplex: Einfach ist die Handhabung, da der Fonds über die Hausbank zu erwerben ist. Komplex dagegen ist die Idee, die zugrunde liegt. Der H & A sharewise Community Fonds ist ein Aktienfonds, der die Empfehlungen der nachweislich besten Mitglieder der sharewise-Community über einen regelbasierten Investmentprozess konsequent umsetzt. Für die Zusammenstellung des Portfolios werden nur die Aktienempfehlungen der Top-100-Mitglieder betrachtet, die auf liquide gehandelte Aktientitel abgegeben werden. Um Top-100-Mitglied zu werden, muss der User strenge quantitative und qualitative Kriterien erfüllen. Dies stellt sicher, dass nur User, die nachhaltig den Markt geschlagen haben, in der sharewise-Mitglieder-Rangliste ganz nach oben kommen. Die Empfehlungen von sharewise werden in Form von Aktienempfehlungen getroffen und fließen in den oben genannten Fonds ein. Auf der Website beschreibt sharewise in nachvollziehbaren Schritten die inhaltliche Zusammenstellung des Fonds und den speziell darauf ausgerichteten Prozess zur Strategieumsetzung.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Die Entscheidung, wo man als Anleger sein Geld investiert, wird einem niemand abnehmen können. Zur Auswahl stehen diverse namhafte Fondsmanager bei Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften und seit ein paar Jahren auch Top-Trader und „Möchtegern-Trader“ auf diversen öffentlichen Trading-Plattformen. Gerade letztere sprießen dabei wie Pilze aus dem Boden – siehe z.B. Cashboard und Vaamo. Ein Richtig oder Falsch gibt es an dieser Stelle nicht, die Entscheidung ist eine individuelle. Immer gegeben sein muss ein kritisches Hinterfragen anstatt blindem Vertrauen. Auch in Bezug auf die neuen Player am Markt. Denn wie der Schriftsteller Somerset Maugham so treffend sagte: „Wenn 50 Millionen Menschen eine Dummheit behaupten, wird sie deswegen nicht zur Wahrheit“. Insofern denke ich nicht, dass der klassische Anlageberater in Zukunft überflüssig wird. Was steigt, ist der Wettbewerbsdruck. Aber Konkurrenz belebt ja bekanntlich auch das Geschäft.

 

Bildquelle: Shutterstock

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