Was Anleger und Fondsmanager von der Wettervorhersage lernen können

Gute Algorithmen – schlechte Algorithmen: Zuletzt standen vor allem die negativen Auswirkungen von algorithmischen Anlagestrategien im Blickpunkt. Genauer gesagt der Hochfrequenzhandel. Eine pauschalisierte Verteufelung wäre aber ein Fehler. Denn einige Formen sind nicht nur hocheffizient, sondern auch alternativlos.

Von Maschinen ausgelöste Kaufentscheidungen können die Volatilität der Märkte verstärken und Konstruktionen am Rande der Legalität Marktteilnehmer benachteiligen – das ist die klare Kritik am Hochfrequenzhandel. Durch Computeralgorithmen unterstützte Entscheidungen sind aber viel mehr als nur Hochfrequenzhandel. So unterstützen Algorithmen Händler beim Umschlag von großen Positionen und sorgen dafür, dass die Ausführung möglichst wenig Einfluss auf die Kurse nimmt. Außerdem können sie die Zusammensetzung eines Anlageportfolios so gestalten, dass die erzielte Rendite die betreffenden Benchmarks deutlich schlägt.

Emotionslose Entscheidungen

Die Künstliche Intelligenz hat sich in den letzten 20 Jahren zu einer eigenständigen Informatik-Disziplin emanzipiert – mit dem Ziel, durch einen besseren Computereinsatz die Rendite zu maximieren, ohne gleichzeitig das Risiko zu erhöhen. Das Ergebnis: viele Versuche, manch enttäuschte Hoffnung und ein wachsender Erfahrungsschatz. Der grundsätzliche Vorteil des Computers liegt auf der Hand: Bei Anlageentscheidungen gilt es, eine schier unüberschaubare Zahl an Informationen zu berücksichtigen. Die Grenze des menschlichen Gehirns liegt bei dieser Aufgabe deutlich unter den Möglichkeiten eines Computers. Nach der Informationsfindung müssen darüber hinaus emotionslose Schlussfolgerungen gezogen werden. Während der Mensch bevorzugt die Informationen wahrnimmt, die seine eigenen Überzeugungen unterstützen, trifft ein Rechner leidenschaftslose und objektive Entscheidungen. Natürlich wird auch eine Maschine dabei nicht nur richtige Schlussfolgerungen ziehen. Aber selbst dann ist sie dem Mensch überlegen – sie lässt sich weder von Fehlurteilen beeindrucken noch muss sie sich vor sich selbst rechtfertigen.

Vertrauen in den Menschen ist größer

Trotz unbestreitbarer Vorteile von computergestützten Anlageentscheidungen halten sich hartnäckig Ressentiments gegen den Einsatz von Software für die Portfoliogestaltung. Dem erfahrenen Anlageprofi vertraut man eher als der Maschine. Dabei zeigt eine nähere Betrachtung von Investmentfonds, dass es Fondsmanagern nur selten gelingt, ihre Benchmark dauerhaft zu schlagen. Paradoxerweise hat dies aber nicht dazu geführt, dass der Anteil mit Algorithmen gemanagter Fonds steigt, sondern es wächst der Marktanteil so genannter passiver Fonds, die lediglich einen Index nachbilden. Viele Anleger verzichten damit also auf die Chance, eine Rendite zu erzielen, die über der Durchschnittsrendite für das gewählte Anlageuniversum liegt.

Effiziente Algorithmen zur Anlageentscheidung weisen bei Backtest-Verfahren immer wieder nach, dass ihnen genau dieses gelingt: eine zuverlässige Outperformance im zweistelligen Bereich gegenüber dem Benchmark. Jedoch mangelt es an Anlageprodukten, seien es Fonds oder Zertifikate, die auf diese Art gemanagt werden. Ob es den Anbietern an Mut fehlt, entsprechende Produkte an den Markt zu bringen, oder die Anleger eine Investition in solche Projekte scheuen, lässt sich an dieser Stelle nicht abschließend klären – dies bietet Diskussionsstoff für einen eigenen Beitrag.

Grundsätzlich gilt: Die emotionslose Verarbeitung großer Informationsmengen mit dem Ziel der Zukunftsprognose lässt keine ernsthafte Alternative zum Einsatz von Software zu. Eine Tatsache, die bei der Wetterprognose längst niemand mehr bezweifelt. Wenn es um die Abschätzung der Folgen der Ukraine-Krise, der Europa-Wahlen oder der Staatsschuldenkrise geht, glauben Anleger und Fondsmanager aber offensichtlich immer noch eher dem Menschen als dem Algorithmus.

Wie viele dieser Menschen haben wohl einen Frosch in einem Glas auf ihrem Schreibtisch stehen, um das Wetter vorherzusagen?

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