Deutsche Banken im Abseits III: Vom Finanzinstitut zum Technologiekonzern?

Deutsche Banken im Abseits III: Vom Finanzinstitut zum Technologiekonzern?

Konfrontation, Kooperation oder Metamorphose: Wie werden deutsche Banken zukunftsfähig?

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich vier Hebel aufgezeigt, mit denen deutsche Banken den Abstand zu internationalen Banken verkürzen können – ein Punkt war dabei die Neuausrichtung entlang der neuen, digitalen Kundenanforderungen. Vorangetrieben werden kann dies z.B. über eine Kooperation mit externen Playern. Stellt sich die Frage: Können diese die Probleme der deutschen Banken lösen? Oder gibt es vielleicht noch andere Ansätze?

Blogserie: Deutsche Banken im Abseits

Kooperation statt Disruption

Bei allem Hype rund um das Thema FinTech lässt sich nüchtern konstatieren: Die Bankenbranche umgekrempelt haben sie bisher (noch) nicht. Ihr ursprüngliches Ziel, die Disruption, weicht mehr und mehr der Kooperation. Manche behaupten sogar, die Revolution sei zu einer Evolution verpufft. Andere wiederum sind der Meinung, dass sich die entscheidenden Veränderungstechnologien, wie z.B. Blockchain oder Künstliche Intelligenz, gerade erst richtig entwickeln. Fakt ist, das der Markteintritt für FinTechs vergleichsweise einfach war, nicht aber der Aufbau einer stabilen und vor allem tragfähigen Kundenbasis. Da verwundert es auch kaum, dass laut aktueller Zahlen bislang nur sehr wenige der neuen Player wirklich Gewinne machen.

Kooperationen zwischen FinTechs und Banken sind damit eine Win-Win-Situation. Beide Seiten können voneinander lernen und profitieren: Klassische Finanzinstitute sind etabliert, haben starke Marken und genießen das Vertrauen ihres – teilweise großen – Kundenstammes. FinTechs hingegen haben verstanden, worauf es ankommt: den Kunden. Darauf richten sie ihr gesamtes Geschäftsmodell aus. Sie bringen die notwendige Agilität und das Technologie-Know-how mit, um auf die Kundenbedürfnisse in der digitalen Welt einzugehen.

Beispiele für Kooperationen zwischen FinTechs und Banken gibt es bereits einige, allerdings fällt auf, dass sich diese meist in klassischen Feldern bewegen – so z.B. in den Bereichen Payment, E-Commerce, Credit und Ident. Die Kooperationspartner heißen dann u.a. cringle, Sofortüberweisung, Barzahlen oder FinReach. Sicherlich ist es ein guter Ansatz, die bankeigene Produkt- und Servicelandschaft durch externe Lösungen zu stützen, allerdings bleibt so viel Potenzial ungenutzt. Ziel muss es sein, das Spektrum an innovativen Produkten und Services für die Kunden auszuweiten.

Von der Bank zum Technologieunternehmen

Großer Kundenstamm, modernste Technologie sowie ein umfangreiches Leistungsangebot – genau das bieten die großen Technologieunternehmen, wie Google, Amazon, Facebook und Apple (GAFA) oder auch die asiatischen Player Baidu, Alipay und Tencent (BAT). Mit ihnen zu kooperieren würde Banken allerdings nur wenig nützen. Dazu ist deren Marktmacht bereits zu groß. Banken wären in diesem Kontext nur Mittel zum Zweck und würden nach außen keine große Rolle spielen.

Erfolgsversprechender ist die Zusammenarbeit oder gar Investition in kleinere Technologiepartner – mit dem Ziel, sich selbst zum Technologieunternehmen zu entwickeln. Eine Bank, die diesen Weg bereits konsequent beschreitet, ist die spanische BBVA. Sie folgt dem Credo, dass Banken, die sich nicht in ein Technologieunternehmen wandeln, verloren sind und hat u.a. das Big-Data-Unternehmen Madiva sowie den Digital-Design-Spezialisten Spring Studio aufgekauft.

Um die „Technologiesierung“ voranzutreiben, können Banken selbstverständlich auch verstärkt in die eigene IT investieren, vor allem wenn es darum geht, veraltete, heterogene Technologie abzulösen. Viele britische Banken haben dies bereits vor Jahren erkannt und legen den Fokus auf moderne Technologie. Die deutschen Großbanken hinken in diesem Bereich hinterher. Geld fließt vor allem in die Wartung und Pflege (alter) Bestandssysteme oder – wenn es in Richtung Zukunft geht – in die Sicherheit. Eine konsequente Modernisierung haben nur wenige auf der Agenda und wenn, dann war das in der Vergangenheit selten von Erfolg gekrönt: Man denke nur an die Magellan-Pleite der Deutschen Bank.

Kleinere Geldhäuser sind hier teilweise schon einen Schritt weiter. Sie gehen neue Wege – mit neuen Geschäftsmodellen. So z.B. die Sutor Bank, eine Privatbank, die 1921 gegründet wurde. Sie hat sich zu einem Technologieunternehmen gewandelt und stellt FinTechs und anderen digitalen Unternehmen ihre Banking-Plattform für die Abwicklung von Finanzdienstleistungen zur Verfügung. Ein anderes Beispiel ist die solarisBank. Zwar ein 2015 gegründetes FinTech, aber eben auch eine Bank mit einer eigenen Lizenz, die sich als Technologieunternehmen versteht und ihren Kunden eine Banking-Plattform bereitstellt.

Ohne Wandel keine Zukunft

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Wettbewerb ist gestiegen, die Kundenanforderungen auch. Banken müssen heute mehr denn je tun, um sich zu behaupten. Einige Stimmen sagen, dass am Ende die großen Technologieriesen das Rennen machen und den Bankenmarkt unter sich aufteilen werden. Der deutsche Philosoph und Publizist Richard David Precht, dessen Vortrag ich kürzlich das Vergnügen hatte zu lauschen, behauptet sogar, Banken würden in Zukunft überhaupt nicht mehr gebraucht. Die Aussage halte ich für zu plakativ. Etwas defensiver hat sich (bereits 1994) Bill Gates geäußert. Er sagte: „Banking is necessary, Banks are not“. Völlig konträr hierzu war erst kürzlich in der Presse zu lesen, dass das FinTech Finanzcheck.de in Hamburg eine Filiale eröffnet hat – weil die Kunden immer wieder das persönliche Gespräch suchen. Daraus schließe ich, dass bei Finanzgeschäften Vertrauen ganz essentiell ist. Ich denke daher, dass Banken aus vielerlei Hinsicht eine langfristige Marktchance haben.

Der Mensch und seine Bedürfnisse sind nicht vorhersehbar und lassen sich nicht immer mit rationalen, technischen Möglichkeiten wegdiskutieren. Menschen werden auch zukünftig Geldgeschäfte abwickeln. Ihre Bedarfe werden aber sicherlich differenzierter. Darauf müssen sich die Banken einstellen. Mit ihren klassischen Geschäftsmodellen und der bestehenden IT werden Banken aber nicht überleben.

Was glauben Sie: Ist die Metamorphose in ein Technologieunternehmen der Rettungsanker für die deutschen Banken?

 

Bildquelle: Shutterstock

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.