Konkurrenz am Bankenmarkt – Wo stehen GAFA, BAT, FinTechs und Banken heute?

Die Bankenbranche ist in Bewegung. Insbesondere die großen Tech-Giganten bedrohen das klassische Bankgeschäft. So sagt man. Aber ist dem wirklich so?

In meinem Blogbeitrag Deutsche Banken im Abseits III: Vom Finanzinstitut zum Technologiekonzern? habe ich bereits ausgeführt, dass Banken nur eine Zukunft haben, wenn sie sich zu einem Technologieunternehmen entwickeln und/oder mit einem kooperieren. Kooperieren sollten die Banken allerdings eher mit kleineren FinTechs, als mit einem der großen Tech-Konzerne.

Interessant ist, dass, laut Branchenkompass Banking 2017 von Sopra Steria, für die Mehrheit der Banken die großen Technologiekonzerne damals noch keine Gefahr darstellten und die Banken Anbieter von Zahlungsdiensten und FinTechs mit eigener  Banklizenz (sog. Neo-Banken) weitaus ernster nahmen. Heute ist es genau umgekehrt. Jeder spricht von der amerikanischen und chinesischen Gefahr durch GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) und BAT (Baidu, Alibaba, Tencent). Von den FinTechs fühlt sich heute keiner mehr bedroht. Vielmehr arbeiten immer mehr Banken mit ihnen zusammen, wie auch die Grafik von Payment & Banking zeigt.

Gefahrenwechsel von FinTechs zu GAFAs

Woher kommt dieser Sinneswandel? Laut dem aktuellen Branchenkompass Banking 2018 haben die Banken feststellen müssen, dass es zu lange dauert, bis die eigene IT und digitale Innovationen soweit sind, um mit den FinTechs mithalten zu können. FinTechs wiederum sind aufgrund der oftmals fehlenden Banklizenz in vielen Fällen auf die Zusammenarbeit mit etablierten Banken angewiesen. Und: Sie haben jetzt einen gemeinsamen Feind.

Was die großen Technologiekonzerne so gefährlich macht? Sie haben Zugang zu einem riesigen Kundenstamm und sie wissen, wie man mit Kundendaten umgeht und diese nutzt, um Kundenbeziehungen zu festigen und auszubauen. Insbesondere die GAFAs sind heute schon mit mobilen und digitalen Zahlungsmöglichkeiten (Google, Apple, Amazon), eigenen Kreditkarten (Amazon), Krediten für Händler (Amazon) oder Überweisungsmöglichkeiten innerhalb ihrer Kundengruppe (Facebook) im Europäischen Markt aktiv (Payment & Banking hat die Aktivitäten der GAFAs übersichtlich zusammengestellt). Sie könnten eine Vollbank werden, wenn sie denn wollten.

Banking zur Kundenbindung

Und jetzt kommt das ABER. Bleiben wir zunächst einmal bei den GAFAs und schauen uns ihr primäres Geschäftsmodell an und wie sie ihr Geld verdienen.

Aktivitäten von GAFA, Quelle: Sutor Bank, 09/2018

Wie bereits oben erwähnt, bieten sie aktuell nur partielle Finanzdienstleistungen an. Und zwar überall dort, wo diese ihr Kerngeschäft unterstützen. Wie Hartmut Giesen von der Sutor Bank schön zusammenfasst:

„Der treibende Trend ist hier Context-Banking. […]. Finance follows Function, nicht umgekehrt. Finanzen sind immer eine sekundäre Funktion, die hilft, einen primären Bedarf zu befriedigen.“

D.h., für GAFAs dienen Banking-Funktionen in erster Linie dazu, ihre Kunden an ihr eigenes Ökosystem zu binden. Die Finanzdienstleistung wird auf Basis eines bestimmten Anwendungsfalles angeboten, nicht, weil primär damit Geld verdient werden muss – anders als bei Banken. Sprich, der Wille, eine Vollbank zu werden, ist momentan nicht wirklich erkennbar.

Ein Blick gen Osten

Werfen wir einen Blick auf die chinesische Konkurrenz. Diese Unternehmen (BAT) sind in einem Markt vertreten, der alleine mehr als 1,3 Mrd. potenzielle Nutzer bietet. Mit WeChat (Tencent) und Alipay (Alibaba) wurden zwei Super-Apps geschaffen, die ein noch mächtigeres Ökosystem abbilden, als das der GAFAs. Ob Taxi bestellen, Tickets kaufen, Arzttermine organisieren, chatten, Flüge buchen oder mobil bezahlen – diese Apps greifen in nahezu jeden Lebensbereich ein und werden von fast allen Chinesen genutzt.

Natürlich verfolgen auch sie eine Expansionsstrategie. Aber aktuell verstärkt auf Außer-Europäische Märkte, wie z.B. Indien oder Afrika. Bei uns bedienen sie momentan nur ihre Touristen und Kunden. Das wird sich sicherlich ändern. Irgendwann. Vorerst ist aber keine wirkliche Gefahr durch sie erkennbar. Insbesondere weil die Regulierungshürden in Deutschland bzw. Europa deutlich höher sind, als bei ihnen.

Komplexe Banken-Ökosysteme

Stellen die Technologieunternehmen nun eine Gefahr dar und was heißt das für die Banken? Eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Wie meistens, wenn man versucht, die Zukunft vorher zu sagen. Natürlich können die Technologieunternehmen – egal, ob es sich um die Tech-Riesen oder kleinere FinTechs handelt – den Banken auch mit partiellen Finanzdienstleistungen Marktanteile abspenstig machen. Insbesondere deshalb, weil Banken aktuell noch darauf angewiesen sind, mit ihren Angeboten Geld zu verdienen. Das ist bei GAFA und BAT eher nicht der Fall.

Der Appell an die Banken, sich zu bewegen und neue Strategien zu entwickeln, ist also nach wie vor zwingend notwendig. Überleben werden nur die, die entweder Nischen besetzen, Spezialprodukte anbieten oder ein eigenes Ökosystem schaffen, z.B. durch Einbindung möglichst vieler Partner in die eigene Kernbankanwendung, oder sich in ein bereits bestehendes Ökosystem einbinden lassen. Das Stichwort lautet nach wie vor Open Banking / Banking API.

GAFAs & Co werden sich Partner suchen, um ihre Ökosysteme weiter auszubauen. Banken müssen darauf achten, aus dieser Wertschöpfung nicht rauszufliegen. Aktuell stehen FinTechs möglichen Kooperationen weitaus offener gegenüber, als die Banken.

Die Branche steckt in einem fundamentalen Wandel mit ungewissem Ausgang.

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